Depression: Wenn Bilder von Betroffenen zeigen, was Worte nicht ausdrücken können
Die Ausstellung „Wege aus der Depression“ ist einen Monat lang bei der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz in Speyer zu sehen.
Speyer, 26.08.2026. Die Wanderausstellung „Wege aus der Depression“ macht vom 25. August bis zum 25. September Halt in der Hauptstelle der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz in Speyer. Anhand von Bildern soll die Perspektive von Betroffenen sichtbar gemacht werden und Aufmerksamkeit für eine Krankheit geschaffen werden, die noch immer tabuisiert wird.
Nachdenklich und gespannt blicken die ersten Besucher auf die 20 Bilder, die im Raum verteilt an der Wand hängen. Schnecken an Bäumen, ein Tunnel, ein Läufer am Strand, Menschen im Regen. Die Bilder sind so unterschiedlich wie diejenigen, die sie angefertigt haben: Menschen, die von Depression betroffen sind. Eine Besucherin sagt: „Ich bin überrascht, dass viele der Bilder so positiv wirken.“ Vielleicht, weil sie zeigen, dass es „Wege aus der Depression“ gibt und wie diese aussehen können.
Die Krankheit an sich ist in vielen Fällen nicht sichtbar und wird nach wie vor häufig tabuisiert – und das, obwohl sie jeden treffen kann. In seiner Eröffnungsrede findet Till Meßmer, Vorstandssprecher der Vereinigten VR Bank, klare Worte. „Psychische Gesundheit darf kein Randthema sein – weder in Unternehmen noch in der Gesellschaft“, betont er. Sich solchen Themen zuzuwenden, sehe die Genossenschaftsbank als Teil ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Die Vereinigte VR Bank belässt es nicht bei Worten, sondern ist dauerhaftes Mitglied beim Bündnis gegen Depression, dem sie im Rahmen der Ausstellungseröffnung auch eine Spende überreicht.
Kunst bringt Licht ins Dunkel
Im Rahmen der Ausstellungseröffnung, die die Brüder Karl Heinz und Fritz Steidel an Klavier und Vibraphon begleiten, tritt auch Prof. Dr. Michael Deuschle, Sprecher des Vorstandes vom Bündnis gegen Depression, an das Sprecherpult vor die rund 50 Anwesenden. Zu jeder Zeit seien fünf Prozent der Bevölkerung betroffen, berichtet er, und obwohl die Krankheit potenziell lebensbedrohlich sein kann, sei sie gut behandelbar. Aber warum die Kunst? „Sie bringt Licht ins Dunkel. Sie macht die Gefühle der Betroffenen sichtbar“, sagt Deuschle. Die Ausstellung sei aber vor allem dazu da, um Öffentlichkeit herzustellen und so Menschen zum Aktivwerden zu motivieren. Entstanden ist die Idee für die Wanderausstellung im Rahmen des Deutschen Patientenkongresses, die Bilder sind Werke, die im Rahmen eines Kreativpreises der Deutschen Depressionshilfe ausgezeichnet wurden.
Malerei und Depression, das beschäftigt Künstler schon seit Jahrhunderten, auch wenn man es damals nicht so benannte. Dies zeigt die Kuratorin der “Elisabeth Mack-Usselmann und Dr. Michael-Mack-Gedächtnisstiftung”, Mareile F. Martin, zum Abschluss auf. In ihrem Vortrag „Depression und Melancholie, Fokus Bildende Kunst“ erklärt sie anhand von Bildern von Albrecht Dürer über Edvard Munch bis zu den gehypten Kunstwerken Yayoi Kusamas, welchen Bezug die Kunst zur Depression hat.
Und immerhin: Im Vergleich zu damals hat sich etwas verändert. Heute kann benannt werden, was Depression ist und wie sie behandelt werden kann. Dennoch braucht es weiter Räume, in denen Menschen darüber reden können. Dass eine Ausstellung genau das sein kann, zeigen die Gespräche nach dem finalen Vortrag, in denen auch gelacht wird – trotz des ernsten Themas.
Bilder: Klaus Venus
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